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Franco Casella » Kolumne: Das Cipolla-Theorem

Das Cipolla-Theorem

Franco Casella Franco Casella

(von Franco Casella)

Professor Cipolla hat es an die amerikanischen Nobeluniversitäten geschafft und er gehört damit zu jener geistigen Elite, die Italien alle Ehre macht. Sein geschliffener Intellekt und seine feine Feder haben uns eine Reihe von Schriften geschenkt, die am besten alle lesen sollten, um die Welt besser zu verstehen. In seinem bekanntesten Werk legt er seine wissenschaftlichen Untersuchungen dar, wonach der Anteil der Dummköpfe in allen sozialen Gruppen gleich groß ist. Da er die Gültigkeit dieser These auch für die Gruppe der Universitätsdozenten behauptete, machte er sich unter seinen Kollegen nicht gerade viele Freunde und hatte mit größeren Schwierigkeiten zu kämpfen, die er aber mit der ihm eignen Ironie niederrang.

Ich will das Cipolla-Theorem einmal auf die Welt der Gastronomie übertragen. Natürlich liegt die Verantwortung für das, was dabei heraus kommt, allein bei mir und ich bin bereit, die Schläge auf mich zu nehmen. Aus Liebe zum Beruf und um meiner selbst willen lasse ich die Gruppe der Köche einmal außen vor – obwohl man damit, was ich in vierzig Jahren des nicht gerade seltenen Umgangs mit denselben erlebt habe, ein ganzes Buch füllen könnte. Aber wie gesagt, heute lasse ich sie aus und wende mich der Gruppe der Gäste zu - oder genauer jenen unter ihnen, die mit gutem Recht in der Statistik von Professor Cipolla geführt werden müssten.

Wenn es wahr ist, was Professor Cipolla bewiesen hat, dass der Anteil der Dummköpfe in allen Gruppen gleich groß ist, dann folgt daraus unweigerlich, dass das auch für die Gruppe der Restaurantgäste gilt. Beweise dafür gibt es jede Menge, aber einer ist so schlagend, dass man ihn nicht wegdiskutieren kann, nämlich die Reservierung, die nicht wahrgenommen und dennoch nicht abgesagt wird. Ich frage mich, warum Ettore Mustermann, wenn er die Zeit gefunden hat, einen Tisch zu reservieren, nicht auch die Zeit hat, um abzusagen wenn ihm etwas dazwischen kommt oder wenn er keine Lust mehr hat Essen zu gehen. Überhaupt kein Problem, kann ja jedem passieren, aber nach den Regeln des guten Tons und aus Respekt für die Arbeit der anderen wäre es einfach angezeigt, das Restaurant zu benachrichtigen, dass die den Tisch anderweitig nutzen können. Wir reden ja nicht über eine Miniparty bei einem Freund, sondern über die ernsthafte Arbeit von jemandem, für den sein Ein- und Auskommen davon abhängt, dass der Abend gut läuft. Wenn ich einen Tisch frei lasse, weil jemand ihn reserviert hat, und wenn dieser Jemand dann nicht kommt, dann fehlt mir eine mehr oder weniger dicke Scheibe meiner Einnahmen.

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