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Bio-Wein oder die Quadratur des natürlichen Kreislaufs

Eine der wichtigsten Strategien erfolgreicher Bio-Bauern ist die Vermeidung von Monokulturen durch Fruchtwechsel. Erfolgreiche Winzer dagegen setzen auf jahrzehntelange Monokultur und die Vermeidung jeglichen Fruchtwechsels. Allein dieser Gegensatz zeigt schon recht deutlich, wie groß die Herausforderung war, als vor 30, 40 Jahren die ersten Weinerzeuger sich von den agrarchemischen Allmachtsfantasien der einschlägigen Industrien zu befreien versuchten und Bio-Wein herzustellen begannen. Immerhin einen Trost hatten sie bei ihren Experimenten: In der viele tausend Jahre alten Geschichte des Weinbaus waren die allermeisten ihrer Vorgänger ohne Kunstdünger und moderne Spritzmittel gegen Insekten, Pilze oder Unkraut ausgekommen.

Von diesen Mitteln braucht der konventionelle Winzer nicht eben wenig, muss an dieser Stelle gesagt sein. Und nicht wenige Rückstände davon lassen sich auch im Wein nachweisen. Zwar lassen sie sich nicht erschmecken und auch die geltenden Grenzwerte für ihre Konzentration sind meist eingehalten, doch eine zunehmende Zahl von Menschen will nicht, dass ihre Lebensmittel auf eine Art und Weise erzeugt werden, die so starke Auswirkungen auf die Umwelt hat. Und gerade das Ökosystem Weinberg ist schon etwas ganz Besonderes.

Oft findet es sich in steilen, sonnenverwöhnten Höhenlagen, in denen normalerweise höchstens Ziegen grasen würden. Zu diesem besonderen Lebensraum gehört eine große Anzahl von Spezialisten aus Tier- und Pflanzenwelt, die mit diesen Bedingungen zurechtkommen. In deutschen Weinbergen sind das zum Beispiel Eidechsen und Schlangen, aber auch erstaunlich viele Spinnenarten. Wo allerdings im flurbereinigten Weinberg das letzte Trockenmäuerchen ebenso wie das letzte Obstbäumchen dem Wunsch nach Vereinheitlichung und Ertragsmaximierung zum Opfer gefallen sind und Reben dicht an dicht aus nackter Erde wachsen, da haben nur wenige Arten eine Überlebenschance.

Wird ein konventionell wirtschaftender Betrieb auf ökologischen Anbau umgestellt, so sind die Veränderungen gerade am Anfang sehr groß. Meistens sind es nicht zu groß werdende Obstbäume, die gepflanzt werden. Zwischen zwei Bäumen sollte in allen Richtungen nicht mehr als 50 Meter Abstand liegen, lautet eine Faustregel. Zwar werden dadurch sicher einige Reben verschattet, doch die Bäume erschließen Nützlingen eine ganze Höhendimension. In deutschen Weingegenden, vor allem an der Mosel, hat der rote Weinbergspfirsich deshalb eine inzwischen auch staatlich geförderte Renaissance hinter sich.

Mitten durch eine Parzelle, auf der Bio-Wein erzeugt werden soll, wächst außerdem meist eine Hecke. Es kann sich dabei um Gewächse handeln, die „nur“ Rückzugs- und Ausbreitungsmöglichkeiten zur Erhöhung der Artenzahl von Tieren und Pflanzen im Weinberg schaffen, aber auch Himbeeren können diesen Zweck erfüllen und nebenbei auch Erträge liefern, die vom Weinbau unabhängig sind. Dieser Ansatz gilt auch bei der ganz anderen Art von Bodenbearbeitung. Während die konventionellen Winzer um einen „sauberen“, fast sterilen Boden bemüht sind, auf dem außer Wein nichts wächst, ist Unterwuchs im Bio-Weinbau Pflicht. Dabei können Nutzpflanzen angebaut werden oder eine durchgängige, vielfältige Krautschicht, die nur durch nicht allzu häufiges Mähen im Zaum gehalten wird.

Doch trotz all dieser Maßnahmen wird man auch den Öko-Winzer mit der Spritze im Weinberg sehen. Zum einen sind spezielle Mittel auf Schwefel- und Kupferbasis für den Öko-Weinbau entwickelt worden, die oft unvermeidlich sind, zum anderen sollen verschiedene Pflanzenbrühen und flüssige Stärkungsmittel aus Gesteinsmehlen die Widerstandskraft der Reben gegen Schädlinge stärken. Das hört sich kompliziert und ist es wohl auch. Doch letztlich wäre die ganze Mühe vergeblich, wenn die Weinkäufer für ihre zu höherem Preis erstandenen Bio-Weine nur ein gutes Gewissen, aber keinen guten Wein bekämen. Aber gerade im Bereich Qualität haben Bio-Weine in den letzten Jahren aufhorchen lassen. Die an naturnahen Kreisläufen und biologischer Vielfalt orientierte Anbauweise stärkt nach Ansicht vieler Experten die Ausprägung von typischen Eigenschaften im Wein, die unter dem Begriff Terroir zusammengefasst werden. Dem Weinfreund bieten Bio-Weine die Möglichkeit, neue Geschmackswelten zu entdecken und gleichzeitig das gute Gefühl zu genießen, mit der Entscheidung zum Kauf solcher Produkte das faszinierende Ökosystem Weinberg zu erhalten.

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